Die Welt mal mit anderen Ohren sehen

[in Zusammenarbeit mit audible] Im letzten halben Jahr war ich fast nie mehr entspannt. Ob ich viel oder wenig schlief, mehr oder weniger (Frei-)Zeit hatte… es machte keinen Unterschied mehr. Ich war einfach erschöpft und mein Akku blieb leer. Erst Autogenes Training hat geholfen (wer hätte gedacht, dass ich diesen Satz – den ich immer als irgendwie esoterisch und spinnerhaft abgetan habe – jemals mit Ernst sagen würde!). Und ich weiß inzwischen auch, warum: Weil es mich aus meinem Kopf holt.

Weil es mich aus dem Grundrauschen zwischen meinen Ohren erlöst, was von dem Dauergebabbel aus was essen wir heute – muss ich Fips schon wieder Fingernägel schneiden – wann ist eigentlich der nächste Zahnarzttermin dran – passen die langen Hosen noch – sollte ich den Mann mal wieder küssen – die Beete draußen müssten mal wieder freigezupft werden – was reden die da eigentlich im Meeting – laberrhabareber, pflicht und pfutz erzeugt wird. Ich muss raus aus meinem Kopf!! Dann gibt’s auch wieder Ruhe in der Seele und ich sammele wieder Kräfte.

Autogenes Training ist eine Option, denn wenn ich mich Körperteil für Körperteil bewusst wahrnehme und dabei auch noch dem Atem nachspüre, hat selbst mein Multitasking-geist keine Zeit mehr zum Babbeln. Im Garten sitzen und mich auf die Wärme der Sonne konzentrieren, auf summende Bienen und das Gefräusch an- und abfahrender Autos (leider keine Brandenburger Idyll-Einöde hier), geht auch. Oder auf dem SUP richtig mit Dampf paddeln bis die Arme brennen.

Lesen ginge auch, dachte ich, aber tatsächlich geht Hörbuch sogar noch besser.

Das war nicht immer so: Als ich vor knapp fünfundzwanzig Jahren in der Schulbibliothek saß und die Bibliothekarin sämtliche Harry-Potter-Bände durchhörte, fand ich das Stimmenrepertoire von Rufus Beck zwar beeindruckend, aber beim Hören waren meine Hände so leer. Da fehlte einfach das Buch!

Mein zweites Hörbucherlebnis zehn Jahre später war schon besser: Ich übernachtete mit meinem damaligen Freund bei einem Kumpel, der zum Einschlafen „Rumo & die Wunder im Dunkeln“ hörte. Gelesen von Dirk Bach – und einfach großartig! Die beiden Herren schnarchten bald im Tiefschlaf, aber ich konnte nicht aufhören zuzuhören. Geschlafen habe ich nicht viel, denn bei „Rumo“ hat der wunderbare Walter Moers einfach weit ausgeholt.

Vorgelesene Romane sind nach wie vor keine Einschlafhilfe für mich – und fühlen sich auch sonst nicht so ganz „richtig“ an – meine Hände sind immer noch leer. Was aber wirklich gut geht, sind die Werke, die ich sonst irgendwie unter „Lebenshilfe“ verbuche und die ich mir nie ins Regal stellen würde (so wie ich Autogenes Training freiwillig auch nie gemacht hätte).

So etwas wie „Das Kind in Dir muss Heimat finden“ (Dauerstruggle im Mamasein), „50 Sätze, die das Leben leichter machen“ (auf deren Wirkung ich immer noch warte) oder „Peace, Bitches“ (irgendwie unsympathisch und irgendwie doch… irgendwie gut). Das kann ich abends ganz gut hören, dabei einschlafen und trotzdem nicht alles vergessen, was mir erzählt wurde.

Und während ich das so schreibe, erinnere ich mich daran, dass Harry Potter doch nicht mein erstes Hörbuch-Erlebnis war: Denn natürlich gab es Benjamin Blümchen in meinem Kinderzimmer, und Bibi Blocksberg und Flitze Feuerzahn, den kleinen (und sehr nervigen Drachen). Und später natürlich „Die kleine Hexe“ und „Der kleine Wassermann“. Diese und viele andere Hörbücher für Kinder finden auch bei Fips Gehör: Im Moment steht „Prinzessin Lillifee & das Einhorn“ hoch im Kurs, ebenso wie sämtliche Geschichten rund um „Die Eule mit der Beule“. Ist beides nicht ganz mein Geschmack, aber ich bin überaus froh, wenn ich beim Vorlesen dann zu anderen Büchern greifen darf und ein Profi z.B. den Lillifee-Auftrag für mich übernimmt 🙂

Aber wie auch immer: Die Welt mit anderen Ohren hören – und danach wieder mit anderen Augen sehen. Mit Kopfhörern habe ich mich schon immer wohlgefühlt, aber statt mich jetzt hinter Rock, Punk & Co. im eigenen Schädel zu verschanzen, hole ich mich jetzt öfter mal raus… und gehe per Ohr auf eine Reise, die ich sonst vielleicht nie gemacht hätte.

2 Gedanken zu “Die Welt mal mit anderen Ohren sehen

  1. Sofasophia schreibt:

    Und dann gibts ja noch die Einschlafpodcasts …

    Ich bin auch eine Hörbuch-„Leserin“, brauchte allerdings, wie du, ziemlich viele Anläufe. Und ziemlich wählerisch, was die Vorlesestimme angeht und die Geschichte. Ist das eine unzureichend, muss das andere umso besser sein. (Ich höre vor allem Krimis.)

    Du kennst bestimmt Onleihe und/oder Libby? Oder kaufst du die Bücher?

    Gefällt mir

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