Muss pullern! Oder: Kein Töpfchentraining für Fips

Nach dem ersten Lebensjahr schaut man bei Treffen mit Mit-Mamas unauffällig, wer noch stillt. Nach dem Motto: Uff, die macht es auch noch? Na dann kann ich ja entspannt die Brust auspacken! Ab dem zweiten Geburtstag erwischt man sich dabei, wie man beim Playdate unauffällig Richtung Hosenbund schaut: Guckt da noch ein Windelrand raus oder muss man sich gleich anhören, dass der Nachwuchs schon längst trocken ist?

Bei Fips blitzte der Windelrand noch mit zweieinhalb Jahren gnadenlos aus der Buxe. Im Kindergarten lief vor der Coronäse schon ziemlich viel glatt bzw. windelfrei, was zuhause immer noch in die Hose ging. Und ich kriegte es einfach nicht hin! Ich war nicht in der Lage, Fips zu denselben geregelten Zeiten auf den Topf zu setzen, bzw. wann immer ich Töpfchen oder Klo aufs Tapet brachte, hagelte es erbitterten Widerspruch.

Dabei waren Topf und Toilette um den zweiten Geburtstag herum sogar mal spannend gewesen: Fips rief wie bei einem lustigen Spiel hocherfreut „Pipi!“ und ließ sich auf die Klobrille hieven. Erfolgreich sogar. Aber nun nicht mehr. „Ich will frische Windel!“, hieß es stattdessen.

Faule Mamas vs. Windelfreiheit

Und ich, die umweltignorante und förderfreie Rabenmutter machte die Flucht in die Windel auch noch ganz gern mit. Keine Kraft zum Kackschlüppis ausspülen, keine Kraft alles Besitzbare mit Handtüchern auszulegen, keine Kraft, um den widerborstigen Fips auf die Keramikschüssel zu zerren oder zur Ablenkung lustiges Pinkeltheater zu veranstalten.

Himmelherrgott, hatte ich ein sauschlechtes Gewissen. Und gleichzeitig das vage Gefühl, dass der Klostart für Fips doch ein sanfter, freiwilliger Einstieg sein sollte. Dass es schon irgendwie, irgendwann kommen würde. Es hat schließlich noch keiner einen Teenager mit Windeln gesehen. Und ja, faul war ich auch. Zwischen Homeoffice, Beziehungskrise und Erziehungskompromissen hatte ich einfach keine Power für Kackstreitereien. Also Windeln. Mist.

Die richtige Klolektüre

Mit der Rückkehr in den Kindergarten kam auch die Rückkehr zu geregelten Pieselzeiten tagsüber. Und das klappte richtig gut – ich bekam nachmittags nur selten eine nasse Tüte in die Hand gedrückt. Aber zuhause bewegte sich weiterhin nichts.

Nur Fips‘ Liebe zum Vorlesen wurde immer größer und die machte ich uns irgendwann zunutze. Fips liebt „Conni“ und Conni macht vom Pizzabacken bis zum Ballettanz ja bekanntermaßen alles. Auch aufs Töpfchen gehen – und das sogar in Buchform. Kurzerhand besorgte ich das Heftchen und Fips war hell erfreut. Denn offenbar fanden sich hier genau die passenden Worte und in Fips‘ kleinem Kopf klickte es.

Als ich nach dem Conni-Vorlese-Wochenende das nächste Mal zum Abholen vor der Kita stand, hieß es plötzlich „Ich brauche keine Windel mehr. Ich bin doch schon groß!“ Und tatsächlich kann Fips nun ansagen, wenn die Blase drückt. Nur noch selten geht was daneben (und da war es dann tatsächlich meistens die lahme Mama, die ihrem ersten Impuls nicht nachgab und den ins Spiel vertieften Fips nicht „stören“ wollte… tja, die Störung entstand dann anyway, inklusive Pfütze aufwischen und Klamottenwechseln – aber vielleicht lerne ich es ja noch).

Kommt Zeit, kommt Töpfchen

Die aktuelle Lieblingsbeschäftigung ist nun (seit einem versifften Rastplatzklo, bei dem ich Fips das Betreten verweigerte) das Abhalten unterwegs. „Möchte auf Äste pullern!“, „Möchte auf Wiese pullern!“, „Möchte an Baum pullern!“ heißt es und dann pinkelt Fips kichernd im hohen Bogen an den Wegesrand. Spaß macht das. Viel mehr Spaß als Windelnwechseln.

Schön war auch, dass Fips neulich während eines „Mittagsschlafs“ das selbstständige Hose-runterziehen, aufs-Töpfchen-setzen und das-Resultat-ins-Klo-kippen samt Spülen entdeckte. Sagen wir es so: Während ich im Halbschlaf vor mich hindöste, machte Fips ordentlich Badezimmerkilometer.

Am großen Geschäft üben wir noch, denn das geht überraschenderweise oft viel schneller und unauffälliger in die Hose als Pipi. Aber auch hier gibt es jeden Tag Fortschritte und auch nachts werde ich nun öfter mit „Muss pullern!“ aus dem Schlaf geholt.

Manchmal geht es auch noch in die Windel, aber ich mache mir jetzt keine Sorgen mehr. Und keinen Stress. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass ich meinen Kind vertrauen kann: Ich muss nur die Zeichen lesen und Hilfestellung geben. Oder Wäsche waschen. Oder alles zusammen.

Aber stolz bin ich schon, dass nun ein fetziger Entenschlüppa aus dem Hosenbund blinkt!  Und egal, wie schleppend einem manchmal die Zeit vergeht: Sie werden doch verdammt schnell groß… und machen das ganz alleine.

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