Das elende Schlaftheater

Es treibt mich in den Wahnsinn: Oft liege ich über zwei Stunden neben dem zweijährigen Fips im Bett, bis das nimmermüde Quasselittchen neben mir endlich den Rand hält und sich ins Reich der Träume gleiten lässt.

Anderthalb Stunden sind es an guten Abenden, fast drei an richtig langen Tagen.. Nach einer gewissen Zeit knabbert das (Nicht-)Einschlafritual an meinen Nerven. Im ganzen Körper nimmt die Spannung zu und irgendwann möchte ich einfach nur rausrennen und schreien. Oder (viel schlimmer) ich möchte Fips zusammenstauchen, dass jetzt die Augen zugemacht werden. Subito und S.O.F.O.R.T.

Das Schlimmste ist, dass ich das manchmal mache. Manchmal, wenn ich wirklich nicht mehr kann, wenn mein eigener Kopf nach einem stressigen Tag in den Overload driftet, wenn ich unbedingt ein paar Minuten allein auf dem Sofa brauche, wenn ich noch irgendwas erledigen muss – dann reißt mir der Geduldsfaden.

Dann weint Fips. Und mir tut es bis zum Grund meines Herzens leid, denn ich liebe diesen kleinen Federbettterroristen ja.

Was mache ich falsch???

Wie oft habe ich mich das gefragt.

Im Kindergarten: null Einschlafprobleme. Bei Oma: null Einschlafprobleme. Und auch der Fipspapa braucht für das ganze Programm von der Bettkante bis zum Tiefschlaf höchstens eine Stunde, wobei ich IHN spätestens nach 30 Minuten durchs Babyphon sägewerksmäßig schnarchen höre: Er pennt einfach ein. Und Fips ist dann entweder die Selbstanimation zu öde oder Papas Schnarchen wirkt hypnotisierend. Jedenfalls schnorchelt auch das Kind dann ratzfatz.

Schlaf doch auch mit ein, sagt der Fipspapa. Vielleicht wäre da was dran, aber ich kann nicht einfach so wegratzen, nur weil ich in der Waagerechten bin. Ich kann’s einfach nicht.

Außerdem würde mich Fips vermutlich nachdrücklich daran erinnern, dass wir am Fenster noch den Lichtern gute Nacht wünschen müssen. Dass wir doch noch ein Buch lesen wollen. Dass wir doch noch Lieder zu singen haben. Dass wir noch die Spieluhr anmachen wollen, den Tag im Kindergarten besprechen müssen, dass wir verschiedene Kuschelpositionen durchzuturnen haben und auch noch zusammen lachen wollen.

Rituale überdenken

Hm. Wenn ich das so lese, ist das eine ganze Menge. Ziemlich viele tolle Sachen. Und auch wenn mich die Zeit, die sie in Anspruch nehmen, manchmal zum Haareraufen bringt, wüsste ich nicht, was ich weglassen sollte. Das Lesen etwa, bei dem Fips jedes Mal neue Details im Wimmelbuch entdeckt? Das laute „Gute Nacht, Lichter!“, das Fips mit Inbrunst in die stille Nachbarschaft schmettert? Das Singen, wenn Fips sich darüber beömmelt, was ich alles kaufe, wenn ich zum Markt geh‚? Das Lachen, die Kindergarten-News oder etwa das Kuscheln? Nee. Mir wird das alles früh genug fehlen.

Jedenfalls ist es nicht Fips‘ Schuld, wenn es abends ewig dauert. Nicht Fips zieht Theater ab, weil der Schlaf verweigert wird. Sondern wir beide spielen gemeinsam unser Programm, weil wir es lieben. Weil wir UNS lieben. Weil tagsüber für manche Dinge gar keine Zeit ist – weil diese Dinge nur ganz still und leise im Dunkeln stattfinden, wenn der Tag langsam zur Ruhe kommt.

Also atme ich tief durch und entspanne mich. Denn du, mein Fips, dehnst zwar manchmal die Zeit bis zum Nervenzusammenbruch aus, aber ich – ich schreibe das Drehbuch für unser Schlaftheater. Und wer weiß, wie oft dieses Stück noch aufgeführt werden wird, bevor der Vorhang fällt und du mich rausschickst, um alleine einzuschlafen ❤

 

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