Schwanger und schön? Meine Suche nach mir selbst.

Wahre Schönheit kommt von innen, lautet das Sprichwort. Doch bleibt davon, wenn während der Schwangerschaft das eigene „Innen“ völlig auf den Kopf gestellt wird?

Ich glaube, dass nicht alle Frauen in den Veränderungen durch die Schwangerschaft sofort etwas Positives sehen. Ich möchte sogar behaupten, dass die meisten Frauen das Schöne in ihrem Inneren (oder Äußeren) auch vor der Schwangerschaft nicht gerade objektiv vor Augen haben. So ging es mir jedenfalls. Doch bevor ich von meinem (letztlich gar nicht so komplizierten) Weg zur Schönheits(wieder-)findung berichte, muss ich erst einmal ein wenig von mir erzählen.

Mein Körpergefühl war nie besonders gut. Meine Beine waren wie Elefantenstampfer für mich. Mein Bauch war okay, musste aber dauernd auf Speck kontrolliert werden. Meine Brust war irgendwie, meine Haare auch, über mehr habe ich mir zum Glück nie zu viele Gedanken gemacht. Ich habe mich in mir nicht recht wohlgefühlt, aber für richtig fiese Diät- oder Sportpläne war ich zum Glück zu trotzig.

Lieber verstecken, war meine Devise, denn ich bin obendrein eher Körperklaus als Eleganzkönigin. Meine älteste Freundin erzählt immer noch kichernd von der Tanz-mit-Bändchen-am-Stock-Stunde im Gymnastikunterricht in der Oberstufe: Während alle Ladies leichtfüßig tänzelnd das Bändchen durch die Luft flattern ließen, war es bei mir eher eine Elefantenperformance. Stampf-stampf, zack-zack. Kann auch dran gelegen haben, dass mir das ganze Gymnastikzeugs unter der tambourinklopfenden Führung einer vertrockneten Strickmamsell absolut kein Vergnügen bereitete.

Die Vorgeschichte: Mein Irgendwie-Körper

Was mir dagegen wirklich Spaß macht, ist Yoga. Hier lernte ich, meinen Körper zum ersten Mal ansatzweise zu beherrschen. Außerdem fühlte ich mich stark und biegsam zugleich.

Das war vorher nie der Fall: Als der verdammte Schulsportunterricht endlich vorbei war und ich mir nach ein paar Jahren Flucht regelmäßige Fitnessstudio-Gänge angewöhnte, besserte sich zwar mein Körperbewusstsein und ich musste weniger verstecken, aber es war eher ein Gefühl von „die Figur im Zaum halten“. Mit  Yoga dagegen fand ich zu einem Gefühl, das mein neuer Lieblingshashtags am bestenbeschreibt, nämlich #strongnotskinny.

Meine Stärke habe ich dabei aus dem Bauch geholt. Meine Bauchmuskeln waren mein Mittelpunkt, meine Sicherheit, meine Basis. Doch genau dieses Zentrum eroberte sich Fips, noch bevor ich überhaupt wusste, dass ich schwanger war. Und so kam alles wieder durcheinander.

Dein Bauch gehört mir: Hier kommt der neue Herrscher!

Ich hatte noch keinen Schwangerschaftstest gemacht, als meine gewohnte innere Stabilisierung durch die Bauchmuskeln unmöglich wurde. Was mich früher gestärkt hatte, war nun unangenehm, beengend und praktisch unmöglich. Fips mochte es einfach nicht und ich musste lockerlassen. Ich musste den Bauch entspannen und stand plötzlich ohne mein Zentrum da. Das fühlte sich überhaupt nicht gut an, und es passte leider bestens zur anfänglichen Schwangerschaftsverwirrung. Ich war innen wie außen geschwächt, instabil und haltlos.

Dass ich aufgrund der Übelkeit auch noch häufiger essen musste und mir noch vor dem Babybäuchlein erst mal einigen Hüftspeck zulegte, machte es nicht besser. Im Gegenteil. Ich fühlte mich in mir völlig verloren. Mir war wieder nach Verstecken zumute.

Und gleichzeitig fühlte ich mich ambivalent: Ich war Fips nicht böse, dass nun alles anders war.  Ich habe die Veränderungen, so „schlimm“ sie sich auch anfühlten, als natürlich und notwenig betrachtet. Aber ich vermisste mein zwischenzeitig gewonnenes Wohlbefinden schmerzhaft. Außerdem wollte ich ein glückliches und ausgegeglichenes Kind – und dafür ist eine glückliche, ausgeglichene Mama wohl die Hauptvoraussetzung. Ich hatte also eine Mission!

Wie findet man sich in der Schwangerschaft schön?

Als Erstes habe ich gegoogelt: „Wie findet man sich in der Schwangerschaft schön?“ Das Ergebnis war ziemlicher Bullshit. Denn umgehend landete ich bei diversen Foreneinträgen, in denen Frauen entweder über ihr völlig aus dem Ruder gelaufenes XXL-Gewicht jammerten oder ihre bis zur Geburt erhaltene Wespentaille bejubelten. Das war nicht das, was ich gesucht hatte: Was war mit den „normalen“ Frauen?

Wie fühlen sich die werdenden Mamas, die sich weder als „ekelhaft fett“ bezeichnen, noch ihre Schwangerschaftsschönheit weiterhin an den üblichen Maßstäben von Size Zero & Photoshop festmachen? Das war nirgends zu lesen. Haben diese Frauen vielleicht kein Bedürfnis, sich zu ihrem Körpergefühl zu äußern? Denn dass es sie nicht gibt, wollte ich nicht glauben.

Von der Form zur Funktion

Ein Leben lang wird Mädchen und Frauen beigebracht, dass unser Körper zum Anschauen da ist. Ein Po soll eine Jeans knackig ausfüllen, ein Busen muss ein sexy Dekolleté ergeben und Beine sollen lang und schlank unterm Rock hervorblitzen.

Dabei vergessen wir, dass unsere Beine zum Laufen gemacht sind. Zum Springen und Tanzen. Und das können sie hervorragend auch ohne Giraffenlänge. Und unsere Brust wird bald zum Stillen da sein – entschuldigt, verehrte Hingucker, aber Brüste sind von Natur aus für Babys gemacht. Und ob groß oder klein, symmetrisch oder individuell, weich oder fest, sie erfüllen diesen Dienst ganz wunderbar. Genau wie unsere Bäuche: In einem Waschbrett kann kein Nachwuchs überleben.

Dabei ist es genau dieses Wunder, für das wir doch eigentlich gerade so dankbar sind. Wie können wir dann unsere Körper hassen, die es uns ermöglichen?

Und was vielleicht noch schwerer wiegt: Wollen wir unseren Kindern diesen Hass schon mitgeben, während sie noch nicht einmal auf der Welt sind? Sollen unsere kleinen Mädchen ihren Körper später nicht lieben wie er ist? Sollen unsere Söhne Frauen nicht für das schätzen, was sie sind – statt für das, wie sie aussehen?

Meine innere Schönheit

Je deutlicher sich Fips in mir bemerkbar machte, desto schöner wurde mein Inneres für mich. Und so wurde das Sprichwort, mit dem ich diesen Beitrag begonnen habe, während der Schwangerschaft wahr für mich: Ich habe mich so schön und „richtig“ in meinem Körper gefühlt wie noch nie. Alles war genau so, wie es sein sollte. Während der Schwangerschaft habe ich es geschafft: Ich hatte mich gefunden. Ich war ich, und ich war endlich schön.

3 Gedanken zu “Schwanger und schön? Meine Suche nach mir selbst.

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