6 Tipps zum Schichtwechsel: Vom Einschlafen mit Mama zum Einschlafen mit Papa

Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass bei uns inzwischen der Fipspapa zum Bettritualisten geworden ist. Doch weil sich gerade die Anfragen häufen, wie genau wir diesen Wechsel bewerkstelligt haben, will ich euch noch mal unsere Tipps & Tricks zusammenfassen.

Aber von vorn: Wir, bzw. Fips und ich, schlafen im Familienbett. Das abendliche Einschlafritual war hier fast 12 Monate reine Mamasache. Fips ist von Geburt an fast immer an der Brust eingeratzt und solange ich in Elternzeit war, war das ja auch kein Problem.

Mehr oder weniger. Denn es wäre schon mal nett gewesen, abends nicht anderthalb bis drei Stunden horizontal im Schlafzimmer zu verbringen, sondern vielleicht auch mal etwas Zeit für mich zu haben. Aber nach dem Motto „Don’t change a running system“ lief es eben so: Abend, Mama, Brust, Schlaf. Aufwachen, immer noch Abend, wieder Mama, wieder Brust, wieder Schlaf. Und so weiter.

Don’t touch a running system? Oooh doch!

Die Umstellung kam bei uns mit dem Mittagsschlaf bei der Tagesmutter: Obwohl die Eingewöhnung sonst sehr gut lief, war der Mittagsschlaf nämlich eine kribbelige Kiste. Pennen ohne Milch? Fips wusste nicht, wie das gehen sollte, und war auch nicht sehr gewillt, es auszuprobieren.

Um schlechte Vibes im Tagesmama-Schlafsaal zu vermeiden, stillte ich dort zwei Mal in den Schlaf. Beim dritten Versuch (ohne Brust nun) übergab sich mein sonst so entspannter Fips vor Aufregung und Rabäh. Guter Rat musste her, denn das Ende der Elternzeit näherte sich und bald musste Fips mittags ohne mich schlafen.

Sprich: Papas Stunde hatte geschlagen. Und damit nicht nur Fips, sondern auch der Fipspapa und ich mit der Umstellung möglichst stressfrei klarkommen konnten, gab uns die Tagesmama in einem Rotz- und Tränengespräch eine Handvoll sehr hilfreicher Tipps.

1) Seid überzeugt!

Wir alle machen Fehler bei der Erziehung – das ist so sicher wie die Tatsache, dass auch unsere Eltern Fehler gemacht haben. Aber egal, was wir tun: Wir sollten mit unserer Überzeugung dahinterstehen. Und wenn der Schichtwechsel gelingen soll, dann müssen wir an ihn glauben!

Ich wollte (und will!) Fips niemals schreien lassen, das ist einer der Grundpfeiler meiner Erziehung. Aber bei der Umstellung würde Fips brüllen – und das „möglicherweise 2-4 Wochen und 3-4 Stunden lang“, wie die Tagesmama für den schlimmsten Fall prophezeite. Aber (und das musste ich mir fest im Gedächtnis verankern): Dieses Brüllen wäre weder Hunger noch Einsamkeit. Denn Fips wäre satt (und auch gestillt) und Papas Nähe zählt ganz genau so wie meine. Ich würde also meine Grundregel nicht über Bord werfen. Würde. Ich. Nicht.

2) Weg mit der Mama!

Als Erstes muss die Mutter aus dem Zimmer – am besten sogar weg aus der Wohnung. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Kinder uns bzw. unsere Brust wirklich durch Wände riechen können, aber eins ist definitiv wahr: Der Papa soll das mit dem Einschlafen ja nicht nur versuchen. Er soll es machen.

Wenn aber nebenan eine hibbelige Mutti auf dem Sofa hockt, die zehennägelknabbernd Schreiminuten zählt und auf den ersten Zuruf ins Zimmer geschossen kommt, dann neigt auch der hartgesottendste Papa möglicherweise zum verfrühten Hinschmeißen des Experiments.

Also raus in die Freiheit, ihr Mütter! Geht ins Kino! Fahrt zu einer Freundin! Seid nicht erreichbar und genießt das Leben!

3) Neue Wohlfühlrituale etablieren

Jaaa… als Mama lesen wir immer zuerst das Buch, ziehen dann den Schlafsack an, knipsen danach das Licht aus, singen noch zwei Mal jenes Lied und dann kommt die Brust zum Einschlafen. Niemand sagt, dass das kein schönes Ritual sein kann. Aber: Väter haben keine Brüste. Wieso sollen sie also den Rest des Mama-Rituals zelebrieren?

Lassen wir ihnen ihre eigene Wege, um den Nachwuchs zum Schlafen zu bringen. Das Wichtigste dabei ist, dass der Papa sich in dem von ihm herbeigeführten Szenario auch wohl fühlt – wenn ihn also das Babyeinschlafmeditationsklangschalenpotpourri, das sonst immer dudelt, völlig aggressiv macht, hat es sicher auch beim Kind keine beruhigende Wirkung mehr.

Ein kleiner Tipp: Was als Übergangslösung von der Brust zum Papa ganz gut funktioniert, ist Tragen. Den Anteil des Herumschleppens kann man dann mit der Zeit verringern, bis Vater und Kind sich schließlich nur noch zusammen ins Bett legen.

4) Zeit geben!

Zwei bis vier Wochen braucht eine Umstellung, sagte die Tagesmama. Das muss euch jetzt nicht wie ein Monat Horrorshow vorkommen – aber es bedeutet, dass der Wechsel in Ruhe vonstatten gehen sollte. Es muss also nicht gleich beim ersten Mal reibungslos klappen, und auch nicht beim zweiten, dritten, vierten Versuch.

Als Mutter kennen wir die Einschlaflaute und Müdigkeitsgesten unserer Kinder – weil wir den Bettbringjob eben monatelang gemacht haben. Lassen wir den Männern Zeit, diese wichtige Sprache ebenfalls zu lernen. Und hey Jungs: Ihr dürft euch diese Zeit auch nehmen. Das macht euch nicht zu schlechten Vätern – im Gegenteil: Geduld ist erste Elterntugend.

5) Ruhe bewahren.

Auch wenn Junior das Geschrei in ungeahnte Höhen schraubt, ist Ruhe zu bewahren. Je ruhiger das beruhigende Elternteil, desto entspannter die Situation. Mein persönlicher Trick ist, mich in Gedanken an einen Lieblingsort zu versetzen und mir jedes Detail so klar wie möglich vorzustellen.

Was unbedingt zu vermeiden ist: Die Mutti rankommandieren. Wenn das Baby erst mal versteht, dass bei schlimmem Geschrei doch die ersehnte Mama auftaucht, dann wird beim nächsten Mal im Handumdrehen noch eine Schippe draufgelegt, um dieses Ergebnis zu erreichen. Also erinnert euch dran: Mama, du lässt dein Kind nicht einfach so schreien. Und Papa, du schaffst es!!

Falls das Kind sich vor Aufregung doch einmal übergeben sollte: nicht liegen lassen, sondern sofort (aber möglichst ruhig!) aufnehmen. Und damit es erst gar nicht so weit kommt, hilft es oft, einfach mal das Fenster aufzumachen und gemeinsam (mit einer Mütze auf dem heißgebrüllten Kopf) tief durchzuatmen. Keine Hektik, keine Panik.

Der super-gaga-esoterische Zusatztipp

Es hilft, mit dem Kind zu sprechen und ihm alles zu erklären, bevor Papa das erste Mal übernimmt. Dabei ist es wichtig, alles positiv zu formulieren. Statt „Du brauchst die Brust nicht mehr, du kannst ohne Mama schlafen“ lieber so etwas wie „Du bist ja schon groß, du schaffst das ganz prima mit dem Papa!“. Erklärt auch, warum ihr den Wechsel wollt! Kinder verstehen oft mehr als man glaubt.

Außerdem kannst du als Mutter ein wenig Energiearbeit betreiben. „Hah! Nun spinnt sie aber“, wirst du dir denken, und von mir aus stimmt das auch. Aber während du von Kind und Papa getrennt bist, versuch dir die Liebe zu deinem Baby vorzustellen – breit und stark wie ein Regenbogen oder die Milchstraße von dir zu deinem Kind. Und daneben befindet sich ein schmaler Faden: Das ist die Babyzeit, die sich immer mehr dem Ende nähert, weil aus dem Baby langsam ein Kleinkind wird.

Stell dir vor, wie dieser Faden immer dünner und dünner wird, während die Milchstraße breit und funkelnd dahinfließt: Die Babyzeit und die feste Bindung an die Brust geht vorbei… aber die Liebe zu deinem Kind bleibt. Wenn du das verinnerlichst, hilft es euch beiden, diesen Lebensabschnitt loszulassen.

Und da wir grad beim völlig durchgeknallten Shit sind: Wenn du doch nicht außer Haus bist und dein Kind bei deinem Mann lamentieren hörst, dann konzentrier dich auf die beiden. Schick ihnen gute Gedanken, Kraft zum Durchhalten und Seelenruhe. Total gaga, jaja, aber probier’s aus, bevor du urteilst 😉

Eine Erfolgsgeschichte zum Mutmachen

Bei uns klappt das Einschlafen mit Papa wunderbar – sogar viel schneller als mit Mama inzwischen. Vorm Paparitual wird nach wie vor gestillt, aber danach gehe ich raus und das mögliche Gemecker legt sich dann in der Regel sehr schnell.

Fips wird nach wie vor sehr oft wach (bevor wir ins Bett gehen etwa 1-3 Mal). Auch hier können der Fipspapa und ich uns nun abwechseln. Ich habe also Freizeit!!!! Und ich kann nur sagen: Das ist wahnsinnig toll.

Kurzgesagt: Ich kann den Schichtwechsel nur empfehlen. Und ich wünschte, wir hätten schon früher damit begonnen. Denn seitdem der Fipspapa die Abendschicht übernimmt, sind wir auch als Familie viel enger zusammengewachsen. Und Fips ratzt problemlos bei der Tagesmama. Win-win für alle!

6 Gedanken zu “6 Tipps zum Schichtwechsel: Vom Einschlafen mit Mama zum Einschlafen mit Papa

  1. Jenni schreibt:

    Hallöchen Sabine,

    da meine Elternzeit (leider) auch langsam dem Ende neigt bin ich immer wieder froh „Abstillgeschichten“ zu lesen und habe von Freundinnen auch den Tipp bekommen den Schichtwechsel, so wie du ihn beschreibst, vorzunehmen. Du schreibst außerdem, dass dein kleiner trotzdem in der Nacht öfters wach wird… Wie hilfst du ihm dann wieder einzuschlafen?

    Ganz liebe sonnige Grüße und danke für deine tollen Beiträge

    Jenni

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    • Sabine Wirsching schreibt:

      Hallo Jenni,
      leider kann ich dir da nicht wirklich helfen… denn ich habe nach wie vor nicht abgestillt. Nachts ist also immer noch Milchbar-Zeit bei uns. Mein Mann kriegt Fips mit Kuscheln und Streicheln (oder auch mit einem rauen „Jetzt schlaf endlich!“) zur Ruhe, aber bei mir hat sich noch nichts umgestellt.
      Allerdings kann ich dir sagen, dass tagsüber arbeiten und abends stillen auch kein Problem sein müssen 🙂
      Liebe Grüße, Sabine

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      • Jenni schreibt:

        Alles klar 😊 das beruhigt mich ja sehr, denn ich wollte sie eigentlich auch noch etwas länger stillen, allerdings würde es mich freuen, wenn meine Maus trotzdem lernt, ohne die Brust einzuschlafen. Wenn der Wechsel dann funktioniert ist das ja super. Wir werden es langsam ausprobieren ☺ Danke für deine Antwort…

        Sonnige Grüße aus Berlin 😊

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      • Sabine Wirsching schreibt:

        Oh, aus Berlin… das ist ja direkt um die Ecke 🙂 Probiert es einfach aus, dann findet ihr bestimmt die Lösung, die gut zu euch passt.
        Alles Liebe aus Brandenburg!

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