Diversität vs. Ideal: So vermittelst Du Deinem Kind ein vielfältiges Körperbild

Eine offene Sichtweise, Akzeptanz und eine ehrliche Kommunikation sind die Grundlage dafür, wie unsere Kinder die Welt und auch sich selbst wahrnehmen. Wie reden wir über unseren Körper, wie sprechen wir über andere? 

Sich selbst mit anderen vergleichen gehört dabei dazu: Eine Studie des Entwicklungspsychologen Ulrich Orth zeigt, dass Kinder schon ab vier Jahren ein Selbstwertgefühl entwickeln. Sie beginnen, ihre Eigenschaften zu erkennen und fangen an, diese zu vergleichen, um sich einzuordnen. Dabei bewerten sie sich selbst, ihre Fähigkeiten, ihr Aussehen, ihre Kleidung etc., entweder positiv oder negativ. 

Dabei ist es wichtig, unseren Kindern die Vielfältigkeit menschlicher Körper zu vermitteln – umso mehr, weil in den Medien oft nur ein relativ flaches Bild von “idealer” Schönheit vermittelt wird. In diesem Beitrag findet ihr ein paar Tipps für den bewussten Blick: Alles davon ist für Vorschul- und Grundschulkinder geeignet, aber vieles lässt sich auch auf Kleinkinder und Teenager adaptieren. Und natürlich sind sämtliche Empfehlungen nicht nur was für Töchter oder Mütter, sondern für alle Kinder und Bezugspersonen 🙂

1. Lehre den kritischen Blick auf Medien und “Idealfiguren”.

Wenn Kinder sich zu vergleichen beginne, schauen sie nicht nur auf ihr soziales Umfeld, sondern vergleichen sich auch mit fiktiven Charakteren aus Filmen, Büchern und Spielen. Gern eifern sie diesen “Vorbildern” in Spiel und Ausdruck nach, so dass diese Figuren starken Einfluss auf ihre Handlungen und Wertempfinden nehmen. Was immer dann problematisch werden kann, wenn sie unrealistische Körperbilder und Schönheitsideale vermitteln. 

Auch Fips liebt Netflix und Barbies – finde ich beides so mittel. Ich habe es mit Puppen versucht, die näher an realen Körperformen sind, aber die werden nicht ansatzweise so gern bespielt. Auch bei Serien klinke ich mich nur ein, wenn sie nicht altersgemäß sind. Denn was ich auch nicht vorleben will, ist ein: “Was Du magst, ist alles Blödsinn.” Das ist nämlich ebenfalls ein Päckchen, was ich aus meiner Kindheit rumschleppe und schwer loswerde.

Stattdessen versuche ich mit Fips öfter über die Körper von Barbie und Co. zu reden. Ich vergleiche meine muskulösen, kräftigen Beine mit den dünnen Plaste-Beinchen oder erkläre, dass die “schönsten” Prinzessinnen nur deswegen so eine schmale Taille haben, weil Prinzessinnenkleider früher ein Korsett hatten, was sie extrem zusammenschnürte. 

Auch die Berechtigung von groß, klein, dick, schmal, stark, zart, hell, dunkel etc. erwähne ich, wenn es um Körper und mögliche Formen geht.

Fips ist immer noch sehr fixiert aufs blond-blauäugig-schmale Ideal, sagt aber inzwischen auch Dinge wie: “Barbies haben deswegen so dünne Beine, damit man sie mit einer Hand festhalten kann”, “Das sind Feen, deswegen sehen die nicht so aus wie echte Menschen” oder “Die Königin ist echt gemein, obwohl sie hübsch ist. Schönheit ist nicht alles!” 

Long way to go – aber je früher wir anfangen, über falsche Eindrucke durch Medien zu sprechen, desto besser können unsere Kinder beurteilen, was sie da sehen.

2. Mach Diversität zum Maßstab.

Ich erwische mich selbst dabei, wie ich durch meinen Alltag – Homeoffice, Dorfleben, wenig aktives Sozialleben – dazu tendiere, Instagram und Co. als Orte der Körperrealität zu akzeptieren. Ich versuche zwar, meine Feeds nicht nur mit Hardcore-Yogis und ideal gefilterten Gestalten zu befüllen, aber trotzdem ist meine Social-Media-Blase immer noch viel zu ideal. 

Was mir hilft, ist ein Gang in die Sauna, an den Badestrand oder ins Hamam, um einfach mal wieder völlig ungeschönte Körper zu sehen. Körper mit Dellen, Wellen, Röllchen, Falten und Härchen – in voller Pracht und Vielfalt. Damit ich mein Körperbild in meiner Selbstwahrnehmung wieder geraderücken kann: Menschen sind unterschiedlich, weich, beweglich und vielfältig, und es ist okay, ein Teil dieser Vielfalt zu sein.

Der Vorteil: Bei mir selbst läuft dieser Diversitätsmonolog stumm im Kopf ab. Mit Fips auf der Badewiese zu sitzen und fremde Körper zu diskutieren, fällt natürlich aus. Zum Glück gibt es aber inzwischen viele liebevoll gemachte B(ilderb)ücher, die Du teilweise schon ab 3–4 Jahren mit Deinem Kind lesen kannst, u.a.:

  • “Körper sind toll” von Tyler Feder (Zuckersüß)
  • “Alle haben einen Po” von Anna Fiske (Hanser)
  • “Wie siehst Du denn aus? Warum es normal nicht gibt” von Sonja Eismann (BELTZ)

Hier findest Du außerdem weitere Buchtipps für Mamas & Mädchen! Beim Vorlesen kannst Du den Blick auf sonst unterrepräsentierte Körperformen normalisieren, die Kritik am eigenen Körper relativieren und gemeinsam besprechen, dass Körper nicht alle gleich aussehen und dass das völlig in Ordnung ist. 

Auch Fragen wie “Warum ist der Mann so dick?”, “Warum sitzt das Kind im Rollstuhl?” oder “Warum hat die keine Haare an der Mumu?”, die uns in der Öffentlichkeit gern mal rote Ohren bescheren, lassen sich so ein bisschen leichter beantworten. 

3. Vermeide Urteile über andere Körper.

Der (kritische) Blick auf sich selbst gehört zum Selbstfindungsprozess: Wie gnadenlos diese Betrachtung erfolgt, kannst Du allerdings beeinflussen, indem Du selbst nicht über andere lästerst.

Ob es der Tratsch bei Familienfeiern ist (“Boah, ist die XY dick geworden – und dann auch noch drei Stück Sahnetorte!”), Kommentare über Fremde (“Wenn ich so aussehen würde, würde ich aber nicht so eine kurze Hose tragen!”) oder Bewertungen Deines eigenen Spiegelbildes (“Ich sehe wieder scheiße aus heute!”) – verkneif es Dir.

Unsere Kinder ahmen die Handlungen und Bewertungen ihrer Bezugspersonen nach und integrieren sie in ihr eigenes Verhalten. Von uns lernen sie, wie Erwachsene zu sein haben. 

Ob Mama sich vorm Spiegel in den Bauch kneift, sich ohne Make-up untragbar findet und sich über andere lustig macht – oder ob sie sorglos anzieht, was sie schön findet, mit einem Lächeln in den Spiegel schaut und mit ihrem Körper im Reinen ist. 

Unsere Mädchen werden es nachmachen, genau wie sie sich Essmanieren, Danke-Bitte, Konfliktverhalten und tausend andere Dinge von uns abschauen. Wie wir als Mütter besser mit unserem Körper umgehen und uns selbst quasi in Vorbildfunktion mehr wertschätzen können, darüber wird es auch bald einen Artikel geben. Ich werde ihn hier verlinken – folge meinem Blog auch gern, um keinen Beitrag zu verpassen! 

Mehr hilfreiche Ideen für ein gesundes Körperbild

Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und Kind ist wichtig, um ein gesundes Körpergefühl bei unseren Kindern zu stärken. Weitere Tipps dazu findet ihr hier:

Auch mit Hintergrundwissen zu geschichtlichen und kulturellen Grundlagen kannst Du bei Dir selbst und damit auch bei Deinem Kind für eine differenziertere Selbstwahrnehmung sorgen: Das Thema Schönheit ist komplex, oft belastend und tief in unserer Kultur verwurzelt, gerade bei Frauen und Mädchen. Aus meiner Recherche für diesen Post ist inzwischen ein größeres Projekt entstanden. Schau doch mal rein bei “Wir sind schön”.

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